Schlagwörter:
7 min read 

TeslaEs wird nicht ruhig um Tesla: Negative Presse, Führungsprobleme und finanzielle Schieflage – der Konzern um Chef Elon Musk steht am Scheideweg. Kein Wunder, dass Investoren und Anleger über einen möglichen Heilsbringer spekulieren, der dem Elektroautopionier wieder auf die Beine helfen könnte. Ein möglicher Kandidat: Der Techgigant Google. Im Geschäft mit der Internetsuche hat Google seit geraumer Zeit kaum noch Konkurrenz. Doch längst ist das Unternehmen seinen Kinderschuhen als reiner Suchmaschinenkonzern entwachsen. Spätestens mit der Gründung der Konzernholding Alphabet im August 2015 mit zahlreichen untergeordneten Geschäftsbereichen wurde klar: Google ist zwischenzeitlich viel mehr ein Mischkonzern, der in verschiedensten Lebensbereichen aktiv ist.

Einer davon: Autonome Fahrzeuge. Seit rund vier Jahren testet das Unternehmen – inzwischen mit seiner Tochter Waymo – selbstfahrende Autos auf US-Straßen und legt den Fokus dabei insbesondere auf die damit verbundenen Technologien. Ein eigenes Fahrzeug will Waymo aber nicht auf den Markt bringen, zwischenzeitlich selbst konzipierte Mini-Zweisitzer hatte das Unternehmen nur zum Experimentieren benutzt – ein Verkauf der Mini-Fahrzeuge sei nie geplant gewesen, so Waymo. Stattdessen setzt der Konzern zwischenzeitlich auf eine Partnerschaft mit Fiat Chrysler.

Der Autobauer liefert die Plattform, Google stattet die Fahrzeuge dann mit der hauseigenen Software für autonomes Fahren aus. Für beide Unternehmen ein Glücksgriff, denn Google kann sich auf das Kerngeschäft mit Software konzentrieren und auf eine etablierte Plattform zurückgreifen – Fiat Chrysler hingegen erhält Zugang zu begehrten und dringend notwendigen technischen Innovationen.

Doch die Zielgruppe für autonom fahrende Fiat Chrysler mit Google-Software ist begrenzt. Zwar hatte der italienisch-amerikanische Autobauer im Rahmen der CES in Las Vegas im Januar 2017 eine Konzeptstudie für einen selbstfahrenden Google-Mini-Van vorgestellt, mit dem auch der Konzern auch jüngere Käuferschichten für sich begeistern will, bei der Studie ist es bislang aber geblieben.

Google-Software bald in Teslas?

Für Google könnte sich diese Situation aber schnell ändern, denn mit Tesla gibt es einen Konzern, der ähnliche Interessen wie der Technologiegigant verfolgt. Und Tesla hat ein funktionierendes Auto-Hardwaregeschäft mit verschiedenen Modellreihen für verschiedene Zielgruppen. Google seinerseits hat eine Software für autonomes Fahren am Start und massenhaft technische Expertise in diesem Bereich. Und: Google hat Geld. Immerhin hat der Konzern mit CapitalG einen großen Risikokapitalgeber an Bord, der durchaus namhafte Startups wie Lyft, Snap, Airbnb und glassdoor im Portfolio hat.

Ein Investment in Tesla würde vor dem Hintergrund der Geschäftsausrichtung von Waymo durchaus Sinn machen. Zumal Morgan Stanley die Roboterauto-Tochter von Google erst kürzlich mit 175 Milliarden Dollar bewertet hat. Google hat die Vorteile eines möglichen Zusammenschlusses offenbar schon früh erkannt.

Im Jahr 2013 sollen der Tesla-Chef und der Google-Gründer Larry Page eine Übernahme des Autobauers durch den Internetkonzern ausgelotet haben. Beide Parteien seien sich bereits einig gewesen – als Kaufpreis waren sechs Milliarden US-Dollar und zusätzliche fünf Milliarden US-Dollar an Investitionen in die Fahrzeug-Produktion vereinbart worden. Auch seinen Chefposten hätte Musk behalten dürfen. Doch ein plötzlich einsetzender Absatzboom hatte die Tesla-Aktie derart beflügelt, dass sich der Kurs des Anteilsscheins innerhalb kurzer Zeit verdoppelte und Musk auf finanzielle Hilfen somit nicht mehr angewiesen war. Dies geht aus einer 2015 erschienen Biographie des Tesla-Chefs hervor.

2018 ist Tesla erneut in einer Krise. Zwar betont Elon Musk immer wieder, diese wäre nicht existenziell, jüngste Ausfälle des milliardenschweren Unternehmers auf Twitter und ein Interview, in dem der CEO jüngst von massiver Überarbeitung sprach, lassen aber nicht nur Tesla-Anleger, sondern auch den Verwaltungsrat des Unternehmens hellhörig werden. Hinzu kommt der Druck des Kapitalmarktes: Anleger wollen Ergebnisse sehen, der Konzern liefert hingegen seit Jahren rote Zahlen. Auch wenn in Sachen Produktionsziel unlängst Fortschritte zu sehen waren, noch ist Tesla weit davon entfernt, seinen Hoffnungsbringer Model 3 als Massenmarktmodell am Markt zu etablieren. Frisches Geld von Google könnte den Konzern diesem Ziel näherbringen.

Schneller als Apple?

Und noch ein Pro-Argument könnten Beobachter im Hinblick auf eine mögliche Beteiligung von Google an Tesla anführen: Im Kampf mit dem Konkurrenten Apple hätte der Suchmaschinengigant dann die Nase vorn. Denn auch Apple wird seit geraumer Zeit immer wieder mit einer möglichen Tesla-Übernahme in Verbindung gebracht, schließlich arbeitet der iPhone-Hersteller im Geheimen seit Jahren an einem eigenen Autoprojekt, hat aber – wie Google – keine Hardwareplattform. Sollte Apple sein iOS-Betriebssystem in Tesla-Fahrzeugen unterbringen, müsste Google mit seinem Android-System im Bereich Autonomes Fahren wohl einen herben Rückschlag verkraften. Erst zu Wochenbeginn hatte ein Tesla-Investor Apple-Chef Tim Cook geraten, sich schnellstmöglich einen Anteil an Tesla zu sichern. Es sei „das Geschenk der Geschenke für Tim Cook“, erklärte Ross Gerber gegenüber CNBC.

Hier handeln