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Solides Wissen über den Markt und Handelsstrategien ist sehr wichtig, aber noch wichtiger ist die Psychologie des Händlers: wie kann er seine Emotionen kontrollieren und mit Verlusten umgehen. Händler müssen sich im Verlaufe eines Tages mit vielen negativen Gefühlen auseinandersetzen. Angst, Unsicherheit, Ärger, Gier, Enttäuschung – was auch immer. Die emotionalen Höhen und Tiefen neu eingestiegener Händler hängen zum großen Teil von ihren Handelsergebnissen ab, was sich negativ auf ihr gesamtes Wohlbefinden auswirken kann.

Verfängt sich ein Händler in einem Teufelskreis aus erfolglosen Geschäften und schlechten Entscheidungen, ist es schwierig, sich daraus zu befreien und die Situation rational zu meistern. Betrachten wir die Komponenten, die die Psychologie eines Händlers ausmachen, und schauen wir, wie sich diese verbessern lassen.

Ängste verstehen 

Die Angst vor Verlusten ist verständlich. Aber sie kann sehr viel Schaden anrichten, da sie die Fähigkeit des Händlers beeinflusst, rationale Entscheidungen zu treffen, und darüber hinaus kann sich Angst zu Ärger und Selbstzweifeln ausweiten. Es ist wichtig zu verstehen, dass Angst eine natürliche Reaktion auf eine Bedrohung ist. Die Angst spiegelt nicht immer die Schwere einer Situation wider: häufig ist Angst übertrieben und unnötig.

Eine weitere Form von Angst ist die Angst, etwas zu verpassen (engl. kurz FOMO – Fear Of Missing Out). Sie bringt einen Händler dazu, übereilte Entscheidungen zu fällen, die von der Angst getrieben sind, einen Vorteil zu verpassen, den alle anderen um einen herum scheinbar nutzen. FOMO-Händler kaufen teuer und verkaufen billig, da sie den Markt nicht verstehen und ihre Aktionen von Panik und Verwirrung beeinflusst werden.

Der Gier widerstehen 

Ein weiteres Extrem auf der Gefühlsskala des Händlers ist die Gier. Dieses Gefühl treibt Händler dazu, höhere Risiken einzugehen, wenn diese vermieden werden sollten, um beispielsweise erfolgreiche Geschäfte länger zu halten, bis die Trendumkehr kommt und den Ertrag vernichtet. Und wenn die Gier von der Angst gespeist wird, dann kann das zu schwerwiegenden Konsequenzen führen.

Der Gier zu widerstehen ist nicht einfach und es ist nur schwer möglich, sie ganz zu unterdrücken. Sie zeigt sich in bestimmten Überlegungen wie „wenn ich ein weiteres Geschäft eröffne, erhalte ich vielleicht mehr Gewinn!“. Das zu erkennen und mit solchen Gedanken souverän umzugehen ist ein Schritt voran auf dem Weg zu einem soliden Handelsansatz.

Was also tun?

Seine Emotionen im Griff zu behalten ist eine Aufgabe von größter Wichtigkeit. Für eine gesunde Handelspsychologie sollte man sich feste Regeln aufstellen und diese konsequent befolgen. Diese Regeln können das Ziel beinhalten – die Ergebnisse, die der Händler anstrebt, Werkzeuge zum Risikomanagement wie Stop-Loss und Einschränkungen des Handelsguthabens. Sie können auch detaillierte Anleitungen zum Handelsplan beinhalten, die die Bedingungen für den Ein- und Ausstieg beschreiben. Möglich ist auch, einen akzeptablen Verlustbetrag bzw. das gewünschte Einkommen für den Tag anzugeben.

Ein solches Regelwerk setzt dem Händler verantwortungsvolle Standards, die in Phasen emotionaler Instabilität als Richtschnur genutzt werden können. In Momenten voller Angst oder Gier kann es hilfreich sein, sich an dieses Regelwerk zu halten und die aktuell anstehenden Entscheidungen anhand des notierten Plans zu überprüfen.

Was ist außerdem möglich?

Neben einem Regelwerk können Händler auch ihre Performance verfolgen und diese im Rahmen einer bestimmten Zeitspanne überprüfen. Das Beobachten des eigenen mentalen Status kann ebenfalls nützlich sein, es ermöglicht, Strategien gegen schädliche Emotionen in der Zukunft zu entwickeln. Die Nachbetrachtung von Handelsaktivitäten und die entsprechende Anpassung des aktuellen Ansatzes ist eine erfolgversprechende Herangehensweise, die viele erfahrene Händler pflegen.

Professionelle Erfahrungen beim Handeln zu erwerben hilft gleichfalls bei der Kontrolle irrationalen Verhaltens – neue Händler sollten mehr Zeit für das Studium des Marktes aufwenden. Das könnte ihnen dabei helfen, sich sicherer und weniger von Emotionen beeinflusst zu fühlen.

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