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Die Wert der türkischen Lira ist im Vergleich zum Euro und Dollar seit Anfang des Jahres um 50 Prozent gesunken. Amerikanische Strafzölle hatten die Lage zugespitzt. Allein zu Wochenbeginn war die Währung zeitweise um 13 Prozent abgestürzt. Fragen und Antworten zu den Folgen für Deutschland.

Was der Lira-Verfall für Deutschland bringt
Welche Rolle spielt die Türkei als Handelspartner Deutschlands?

Aus deutscher Sicht ist die Türkei ein relativ kleiner Handelspartner. Das Land lag 2017 sowohl beim Export als auch beim Import auf Rang 16. Waren „Made in Germany“ im Wert von 21,5 Milliarden Euro gingen in die Türkei. Zum Vergleich: Das gesamte deutsche Ausfuhrvolumen lag bei 1,278 Billionen Euro.

Hauptexportgüter in die Türkei sind nach Angaben des Außenhandelsverbandes BGA Maschinen, Autos und Autoteile sowie chemische Produkte. Die Maschinenbauer bekommen die Turbulenzen bereits zu spüren: Von Januar bis Mai 2018 sanken ihre Exporte an den Bosporus um 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die negative Entwicklung dürfte sich in den nächsten Monaten fortsetzen, fürchtet der Branchenverband VDMA.

Die Turbulenzen fügen sich ein in eine Reihe von schlechten Nachrichten für Deutschlands Exporteure: der bevorstehende Brexit, die von den USA wieder in Kraft gesetzten Iran-Sanktionen und der Handelskonflikt zwischen China und den USA. Auch der Handelsstreit zwischen den USA und der Europäischen Union ist nicht ausgestanden.

Bisher könnten Exporteure rückläufige Zahlen in Einzelmärkten mehr als ausgleichen, erläutert der BGA. Gerade das Geschäft in Europa wachse. „Trotz der guten Zahlen führen die Vielzahl an Konflikten und die Instabilität zu großer Unsicherheit, bei Verbrauchern wie bei Unternehmern“, befürchtet BGA-Präsident Holger Bingmann. Die Schwäche der türkischen Währung verteuert Waren, die in das Land eingeführt werden. Das kann die Nachfrage in der Türkei dämpfen. Auch für deutsche Unternehmen in dem Land kann der Lira-Verfall zum Problem werden.

Güter und Leistungen, die sie für die Produktion in die Türkei einführen müssen, werden in Lira gerechnet teurer. Folge können steigende Preise sein, was die Absatzchancen mindern kann. Nach Angeben der Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) sind mehr als 6500 Unternehmen aus Deutschland in der Türkei vertreten. Sie beschäftigen dort mehr 120.000 Menschen.

„Die Unternehmen warten ab, ziehen sich jedoch noch nicht aus dem Land zurück“, beschreibt Volker Treier, Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) die Lage. Der weitere Absturz der Währung werde den Druck aber erhöhen. Wichtig für die Attraktivität der Türkei als Investitionsstandort und Exportmarkt seien Rechtssicherheit, die Unabhängigkeit der türkischen Zentralbank sowie eine stabile Zahlungsbilanz, sagte Treier. „Hinter allen drei Kriterien setzen Investoren derzeit große Fragezeichen.“ „Die Türkei-Krise wird sich auf die deutsche Wirtschaft kaum auswirken“, sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Er verweist auf den vergleichsweise geringen Warenexport in die Türkei. „Die noch nicht endgültig abgewendeten Autozölle der USA sind für Deutschland ein viel größeres Risiko“, argumentiert Krämer. Die USA sind der wichtigste Einzelmarkt für Deutschlands Exportunternehmen.

Auch nach Einschätzung von Berenberg-Ökonom Schmieding sind die Türkei-Turbulenzen keine ernsthafte Bedrohung für die Wirtschaft im Euroraum. Selbst ein Einbruch der Exporte aus den Euroländern um 20 Prozent würde nicht mehr als 0,1 Prozentpunkte Wachstum kosten.

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