Nach der deutschen warnt jetzt auch die europäische Finanzaufsicht vor virtuellen Börsengängen. Bei diesen ICOs nehmen Anbieter Millionen ein – für Anleger gibt es aber nur geringen Rechtsschutz, kritisiert die ESMA. Anlegern drohe ein Totalverlust, warnte die Behörde am Montag. Die Börsengänge solcher Währungen – sogenannte Initial Coin Offerings (ICOs) – seien unreguliert, intransparent und technologisch ungetestet. Ähnlich hatte sich vergangene Woche wie in unserem Blog beschrieben schon die deutsche Finanzaufsicht BaFin geäußert. China hat ICOs sogar verboten.
Die ESMA wird in ihrer Warnung deutlich: Die Kurse der bei ICOs ausgegebenen Tokens, eine Art virtuelle Gutscheine, seien „extrem volatil“. Die Produkte seien anfällig für Betrug und Geldwäsche. Auch könnten Investoren nicht auf den Schutz von EU-Gesetzen bauen, wenn die virtuellen Börsengänge außerhalb der Rechtsraums der 28 EU-Mitgliedsstaaten fielen.
„Die ESMA hat eine rapide Zunahme von ICOs weltweit und in Europa beobachtet und befürchtet, dass Anleger möglicherweise nicht wissen, welche hohen Risiken mit einem ICO-Investment verbunden sind“, schreibt die Behörde.
Virtuelle Börsengänge existieren erst seit kurzem. Gab es 2016 laut der Branchenseite Coinschedule ganze 46 ICOs, liegt die Zahl 2017 schon bei über 200, wobei über 3,2 Milliarden Dollar eingesammelt wurden. Mehr als 360 ICOs sind derzeit in Planung. Im September erlebte der Hype einen Höhepunkt, als im Rahmen von 37 ICOs fast 850 Millionen Dollar eingesammelt wurden. Auf Internetbörsen werden bereits mehr als 1.000 Tokens gehandelt.