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Viele Händler schwören entweder auf die technische oder die fundamentale Analyse. Die Anhänger der ersten Methode setzen voraus, dass der Markt eine perfekt analysierte Maschine ist und dass sich alle Faktoren (die den Kurs eines Wertes beeinflussen können und bekannt sind) standardmäßig im Kursdiagramm widerspiegeln. Dieses kann deshalb für sich allein zur Entscheidungsfindung genutzt werden. Diejenigen, die an die fundamentale Analyse glauben, achten stärker auf den inneren Wert eines Vermögenswertes, der ihrer Meinung nach vom Markt nicht immer berücksichtigt wird. Im heutigen Artikel werden wir uns beide Analysetypen genauer ansehen und entscheiden, welche ausgewählt werden soll — wenn überhaupt die Notwendigkeit besteht, sich für eine zu entscheiden.

Fundamentale Analyse

Die fundamentale Analyse basiert als Methode der Beurteilung eines Vermögenswertes auf dem Konzept des inneren Wertes. Dieser ist der „tatsächliche“ Preis des Basiswertes, der sich nicht immer in seinem Marktkurs widerspiegelt. Und tatsächlich, wenn wir sagen, dass eine Aktie mit Aufschlag/Rabatt gehandelt wird, dann meinen wir, dass ihr Marktpreis nicht dem inneren Wert entspricht. Bei der Beurteilung einer Wertanlage vom fundamentalen Standpunkt aus werden wirtschaftliche, finanzielle und politische Faktoren betrachtet. Am Ende dieser Analyse geht es darum, einen Zielpreis zu erhalten, der dann mit dem Marktpreis verglichen werden kann. Sollte der innere Wert unter dem aktuellen Kurs liegen, kann man erwägen, den Vermögenswert zu verkaufen. Bei umgekehrten Voraussetzungen kann es klug sein, ihn zu kaufen.

Obwohl diese Methode normalerweise auf Aktien angewendet wird, kann sie heutzutage für fast jeden Vermögenswert genutzt werden. Um beispielsweise ein Währungspaar zu beurteilen (das auf dem Devisenmarkt gehandelt wird), kann der Händler den Leitzins, die Inflationsrate und das Wachstum des BIP heranziehen. Diese Kriterien können den Wechselkurs einschneidend beeinflussen. Für Aktien spielen Gewinn, Umsatz und deren Derivate die wichtigste Rolle. Warren Buffet, genannt das Orakel von Omaha, ist ein Verfechter dieser präzisen Herangehensweise.

Hier ist ein Beispiel für die fundamentale Analyse und ihre Funktionsweise. Als Facebook vor einiger Zeit einen Gewinnbericht veröffentlichte, erwartete der Markt eine Steigerung der Einkünfte von 43 %, aber das Unternehmen erreichte nur 42 %. Zusammen mit einem sinkenden Nutzerwachstum führte das zu einem Kursverfall der Aktie von 20 %. Ziemlich heftig! Es ist wichtig anzumerken, dass ein solcher Kurssturz schwerlich mit den Mitteln der technischen Analyse hätte vorhergesagt werden können.

Berücksichtigen Sie aber, dass nicht alle fundamentalen Faktoren quantitativer Natur sind, und dass es zu einem Satz von Werten durchaus zwei verschiedene Interpretationen geben kann.

Technische Analyse

Im Gegensatz dazu gründet sich die technische Analyse auf die Auswertung historischer Marktdaten, nämlich dem Handelsvolumen und dem Kurs. Diese Art der Analyse kümmert sich nicht sonderlich um den inneren Wert und seine praktische Anwendung. Technische Analysten glauben, dass die im Kursdiagramm sichtbare Entwicklung eines Vermögenswertes in der Vergangenheit ein besserer Indikator für das zukünftige Verhalten ist als der innere Wert. Diese Lehrmeinung geht davon aus, dass sich in der Bewegung jedes Vermögenswertes Muster feststellen lassen, und — noch wichtiger — dass diese außerdem dazu tendieren, sich mit der Zeit zu wiederholen. Deshalb versuchen die technischen Analysten, die genannten Muster vorherzusagen und daraus Gewinn zu erzielen.

Da alle wichtigen Informationen offen auf dem Markt verfügbar sind (alles andere würde als illegaler Insiderhandel gelten), wird davon ausgegangen, dass der Kurs immer „das gesamte Wissen aller Marktteilnehmer“ widerspiegelt.

Jeder auf dem Markt gehandelte Vermögenswert unterliegt den Grundgesetzen von Angebot und Nachfrage. Geringes Angebot und hohe Nachfrage treiben den Kurs nach oben. Im Gegensatz dazu drücken hohes Angebot und geringe Nachfrage den Kurs nach unten. Die technischen Analysten verfolgen die Unterschiede zwischen beiden, um die zukünftige Kursentwicklung eines Vermögenswertes vorherzusagen. Im Laufe der Jahre wurden viele Indikatoren der technischen Analyse entwickelt. Manche davon helfen bei der Bestimmung des vorherrschenden Trends. Andere zielen darauf ab, Umkehrpunkte aufzudecken. Es gibt nicht den einen besten Indikator. Jeder Indikator hat einzigartige Funktionen und unterstützt bei der Lösung eines speziellen Problems.

Man kann sagen, dass sich die fundamentale Analyse bei längeren Zeitrahmen rechnet, während die technische Analyse vor allem von Daytradern und Händlern genutzt wird, die mit kürzeren Zeitrahmen arbeiten.

Was soll man wählen?

Sie mögen denken, dass es eine Art der Analyse gibt, die besser zu Ihrem Handelsstil passt als die andere, und Sie könnten recht haben. Aber genau wie es keinen technischen Indikator gibt, der alles kann, gibt es keine richtige oder falsche Methode für die Vorhersage künftiger Kursschwankungen. Es ist sinnvoller, die technische und die fundamentale Analyse als zwei Seiten einer Medaille zu betrachten, die sich perfekt ergänzen. Nach Michael Marcus, einer Ikone des Handelsgeschäfts, der seinen Kontostand innerhalb von 10 Jahren um den Faktor 2500 vervielfacht hat, sollten sowohl die technische als auch die fundamentale Analyse Ihre Vorhersage bestätigen, damit ein Geschäft im Plus schließt. Aber das heißt nicht, dass diese Kombination niemals irrt. Trotzdem sind die Chancen für ein positives Ergebnis bei dieser Methode größer.

* Angaben zur Wertentwicklung in der Vergangenheit sind kein verlässlicher Hinweis für die zukünftige Wertentwicklung.

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